4321. Mit Paul Auster in Möglichkeiten leben

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„4321“ mal in den Vereinigten Staaten leben. Hier der Blick von Elis-Iseland auf Manhattan, NY. Foto: Dunja Briese

1246 Seiten sind eine Herausforderung. Das neue Buch „4321“ von Paul Auster ist Backsteindick. Er erzählt das Leben von Archibal Ferguson, der als Zeitzeuge mit wechselndem Charakter in vier Personen lebt. Ein Leben das gerade passiert und drei weitere mögliche Leben, werden als eine Lebensgeschichte erzählt. Den Riesenroman hat Paul Auster sich zu seinem 70. Geburtstag geschenkt.

Der Held der Geschichte Archibald Ferguson, wird am 3. März 1947 in New Jersey geboren (genau einen Monat später als sein Autor Paul Auster). Er lebt vier Leben oder ein Leben in vier Variationen. Ein Leben wie es gerade ist und wie es gleichzeitig auch sein könnte. Vier amerikanische Lebenswirklichkeiten sind als historisch konkrete, detailreiche Erzählung verzahnt. So entstehen vier unterschiedliche Variationen einer Lebensrealität, die stets am Atem der Zeit angesiedelt ist.

Ob aufgeregt oder lyrisch, stets ist Archibal Ferguson auch im politischen Leben. Er ist bildungshungrig, liest, schreibt oder übersetzt französische Lyrik. Meist ist er politisch wach und dann mittendrin in den Protesten gegen den Vietnamkrieg, bei den Attentaten auf die Kennedy-Brüder und auf Martin Luther King, in der Gegenkultur bei der Besetzung der Columbia-Universität im Frühjahr 1968. All das sehen wir durch die Augen der wechselnden Archies ebenso wie die Geschichte seiner Familie und seine Entwicklung zum Schriftsteller.

Wie Folien legen sich die unterschiedlichen Lebensläufe nach und nach übereinander. Bis daraus etwas vollkommen Neues entsteht: eine scheinbar Vierte Dimension, durch die alles tiefer und scheinbar realistischer erscheint. Das macht Austers Roman zu einem großen Lesespaß. So gibt es hier auch eine großartige individuelle Geschichtslektüre, über das studentische und politische Klima im Amerika der Sechzigerjahre, über eine Gesellschaft in Aufruhr.

4321. Den Titel des Buches muss man hinter einander lesen. Von vier Archibald Ferguson werden drei sterben, so dass einer das Ende des Romans bestreitet. Der letzte Archie macht sich auf nach Paris, um zu schreiben …

Paul Auster selbst sagt, dass er auf diesen Roman ein Leben lang hingearbeitet hat.

Paul Auster 4321

Paul Auster: 4321

Aus dem Englischen von Thomas Gunkel, Werner Schmitz, Karsten Singelmann und Nikolaus Stingl,
Rowohlt Verlag
Reinbek bei Hamburg 2017
1264 Seiten, 29,95 Euro

Mehr Informationen und eine Leseprobe auf den Seiten des Verlages.

Literarisches Comeback von Paul Auster
Das Erste: ttt vom 29.01.17. Interview & Portrait.

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